Zeitgenössische & traditionelle Weltmusik
Jahrhunderte währende Fremdbestimmung und Ausbeutung durch benachbarte Mächte (für Korsika: die Stadtstaaten Pisa und Genua sowie Frankreich), immer wieder Auswanderungswellen (für Korsika: auf dem französischen Festland leben nach vorsichtigen Schätzungen ca. 700.000 Korsen, insbesondere in Marseille, Toulon und Paris), starker Einfluss der katholischen Kirche auf das Alltagsleben, militante nationalistische (Untergrund-) Organisationen (für Korsika: z. B. die verbotene FLNC).
Eine Überlebenschance gaben der korsischen Kultur noch in den 1980er Jahren nur wenige Experten. Der Einfluss der französischen Zentralregierung, die das Leben auf der malerischen Mittelmeerinsel seit 1768 nachhaltig reglementiert(e), einhergehend mit der durch den Massentourismus verursachten Logo KorsenkampfEntfremdung der Einheimischen, schien allen Attributen korsischer Kultur, vor allem der Sprache (verwandt mit dem Toskanischen) und auch der Volksmusiktradition, den Garaus zu machen.
Die Versuche junger Korsen, diese Entwicklung aufzuhalten, wurden allgemein belächelt. Um so erstaunlicher, dass es ihnen offensichtlich doch gelang, sowohl die verzaubernde korsische Vokaltradition der "pulifunia" (zu dt. "Polyfonie") als auch die korsische Sprache (bis 1974 offiziell verboten!) vor dem Aussterben zu retten.
Les Nouvelles Polyphonies Corses ist ein glanzvoller Mix aus korsischen Chants der Vorfahren mit subtiler und zeitgenössischer Musik mit Hector Zazou, Jon Hassell, Manu Di Bango, Richard Horowitz, Ryuichi Sakamoto und John Cale – Lieder von Liebe, Hoffnung, und Schmerz, von der sonnenverbrannten Erde, Wasserströmen, Zwielicht und vom neuen Tag.

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