Zeitgenössische Weltmusik
Das hat die brasilianische Musik hierzulande selten erlebt: Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, CD des Monats sowohl in "Audio" als auch in "Stereoplay" und allein in Deutschland 10.000 verkaufte Einheiten eines Debütalbums.
Céus musikalisches Elternhaus hatte den Grundstein gelegt, indem es der Tochter eine klassische Musikausbildung ermöglichte. Erste eigene Gehversuche als Sängerin unternahm Céu in der Tradition lokaler Karnevalslieder, bevor es sie in die Pop-Avantgarde-Szene ihrer Heimatstadt zog. Ein zweijähriger Ausflug nach New York zwecks Gesangsstudium erweiterte außerdem ihren musikalischen Horizont: vor allem Hip-Hop und Jazz sollen es ihr angetan haben. Und nun tummelt sich Céu voll Behagen in den umtriebigen Musiker- und Produzentenkollektiven São Paulos.
Céu kommt mit einem dezidiert modernen Sound daher, extrem vielseitig, dabei nie elektronisch überladen.Oft liegt die Stärke der Arrangements auch in einer Beschränkung aufs Wesentliche. Dann ist ihre Stimme ungeheuer präsent und von beneidenswerter Entspanntheit, passend zum Titel ihres Albums "Vagarosa": langsam, gemächlich oder lässig. Besser läßt sich ein "Laid-back"-Gefühl musikalisch kaum vermitteln...
Die neue CD Vagarosa beschreitet ein neues Territorium mit einer Mischung aus jazzigen, regae-/dub und pop Anklängen: Psychedelischen Funkrhythmen, akustischen Samba, dessen Nostalgie nach genau 55 Sekunden im Knistern zerkratzten Vinyls ertrinkt. In Espaconave wiederum werden Stimmen, Rückkopplungen und Feldaufnahmen von Tieren des Regenwaldes übereinandergeschichtet. "Die Zukunft der brasilianischen Musik".
Es beginnt scheinbar traditionell: Ein paar gezupfte Akkorde auf dem mandolinenartigen Cavaquinho verheißen einen nostalgisch-gemütlichen Sambatrip. Die schmeichelnd-gehauchte Flüsterstimme gehört Maria do Céu Whitaker Poças, die uns den Gefallen getan hat, sich mit "Céu" als Künstlernamen zu bescheiden, Céu, zu deutsch: der Himmel.
Wer taucht nicht gerne in solche Retro-Brasil-Klänge ein, wären da nicht diese allmählich auftauchenden, wohlig warmen Vinylkratzer, die einen ahnen lassen, dass es anders weitergehen muss, schließlich ist die junge Frau mit vielen Musikstilen großgeworden. Aufgewachsen ist die heute 29-jährige Céu im quirligen São Paolo, einer 20-Millionen-Einwohner Metropole, die seit langem als eines der pulsierenden Kreativzentren brasilianischer Popmusik gilt.

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